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Buchtipp - 10 goldene Regeln für die Familie


Erfolgreiche Kommunikation ist gewiss kein Kinderspiel, sondern eine Kunst, die erlernt und geübt sein will. Hier erfährst du, auf welche Regeln es bei Gesprächen innerhalb der Familie besonders ankommt. 


Machst du als Mutter oder Vater auch öfter die Erfahrung, dass deine Worte beim Kind oder beim Partner nicht richtig ankommen? Oder dass in einem anfangs friedlichen (Familien-) Gespräch plötzlich schlechte Stimmung aufkommt? 

Dann wäre es vielleicht gut, einmal über das eigene Kommunikationsverhalten nachzudenken: Wie gehe ich mit den Menschen um, die mir am nächsten stehen? Verhalte ich mich konstruktiv und gelingt es mir, im Gespräch den richtigen Ton zu treffen? 
Näheres zum Thema finden Sie darüber hinaus im Buch "Eltern lösen Konflikte". So gelingt Kommunikation in und außerhalb der Familie (siehe Literaturhinweis am Ende des Artikels).

1. Mit dem Kind ins Gespräch kommen

Kinder sind in ihrer Gesprächsbereitschaft genauso unterschiedlich wie Erwachsene. Die einen plaudern munter über alles, was ihnen durch den Kopf geht. Den anderen fällt es schwer, aus sich herauszugehen und ihren Eltern zu sagen, was sie gerade beschäftigt.  
Da sind auch typische Ermunterungen im Stil von „Jetzt erzähl doch mal!“ nicht sehr förderlich – im Gegenteil, sie blockieren den Gesprächseinstieg nur. Anstatt dein Kind zum Reden zu drängen, solltest du besser Aufnahmebereitschaft signalisieren, vor allem durch deine Körpersprache: Manchmal genügen schon ein aufmerksamer Blick und ein Kopfnicken, um dem Kind Mut zu machen.  
Oft hilft auch ein sogenannter „Türöffner“, ein Gespräch in Gang zu bringen, zum Beispiel ein einleitender Satz wie „Lass dir ruhig Zeit, ich höre zu.“

2. Aktiv zuhören

Fängt das Kind von einem Erlebnis zu erzählen an, melde ihm zwischendurch auch rück, wie du seine Ausführungen verstanden haben. Fasse dein Feedback möglichst in eigenen Worten zusammen und gehe auch auf die Gefühle des Kindes ein. 
Wenn dein Nachwuchs beispielsweise von einem Streit mit einem Freund berichtet, könntest du ihm antworten: „Da seid ihr wohl heftig aneinander geraten. Und das macht dich traurig.“ Damit bekunden Sie Ihrem Kind nicht nur Ihre Anteilnahme, sondern ermutigen es auch zum Weitersprechen, weil es sich mit seinen Gefühlen verstanden weiß. 
Auch in den Gesprächen mit deinem Partner/deiner Partnerin kann dieses so genannte „aktive Zuhören“ sehr hilfreich sein.

3. Keine fertigen Lösungen anbieten

Allerdings fällt das aktive Zuhören vielen Eltern schwer. Sie sind es zu sehr gewohnt, Ratschläge zu erteilen und fertige Lösungen anzubieten. Mit solchen Reaktionsweisen drängen sie das Kind (oder den Partner) jedoch in die Defensive und behindern es (ihn) in seinem Bestreben, eine eigene Lösung zu finden. 
Halte deshalb deine Meinung zurück, wenn dein Gesprächspartner ein Problem anspricht. Lass ihn stattdessen zu Ende reden. Damit gibst du ihm die Chance, im Lauf des Erzählens eigene Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln.

4. Sich stimmig verhalten

Oft machen Eltern die Erfahrung, dass ihre Kinder einfach nicht auf sie hören wollen. Das liegt meistens daran, dass sie sich nicht stimmig verhalten: Ihr Tonfall, ihre Mimik und ihr Verhalten stimmen nicht mit dem überein, was sie sagen. 
Lächle also nicht, wenn du deinem Sprössling etwas im Ernst vermitteln willst – sonst widersprichst du dir selbst. 
Wenn dein Kind beispielsweise wütend ist und du es mit lächelnder Miene und sanfter Stimme ermahnst: „Aua, hör bitte auf, nach mir zu schlagen!“, darfst du nicht damit rechnen, dass das Kind auf deine Bitte eingeht. Denn mit deiner Mimik und Tonfall signalisierst du ihm: „Ich meine es ja gar nicht so!“ 

5. Blick- und Körperkontakt herstellen

Um deinem Kind deutlich zu machen, dass du es ernst meinst, bring nicht nur deine Aussagen stimmig zum Ausdruck, sondern schau dein Kind dabei auch an - und fass es auch an. 
Geh als Erstes auf Augenhöhe mit deinem Kind. Nimm Blickkontakt auf und fass dein Kind bei den Händen oder an den Schultern. Damit signalisierst du ihm: „Ich befasse mich jetzt nur mit dir, mit nichts und niemandem sonst.“ Das verleiht Ihrer Botschaft die nötige Deutlichkeit und Festigkeit.

6. Statt Fragen klare Aussagen formulieren

Wenn du deinem Kind etwas vorschlagen willst, tu das möglichst nicht in Form von Fragen wie dieser: „Möchtest du mit mir ‚Elfer raus’ oder ‚Mensch-ärgere-dich-nicht’ spielen oder lieber nach draußen gehen?“ 
Vor allem kleinere Kinder sind mit mehreren Wahlmöglichkeiten oft überfordert. Die Folge ist, dass sie sich nicht entscheiden können, ihre Meinung ständig ändern und die Eltern mit ihren Launen tyrannisieren. 
Reduziere deshalb dein Angebot auf zwei oder sogar nur eine einzige Möglichkeit und formuliere statt einer Frage lieber eine klare Aussage: „Ich möchte mit dir gern ‚Elfer raus’ spielen.“

7. Ich-Botschaften senden

Bei Meinungsverschiedenheiten mit dem Partner oder dem Kind neigen viele Menschen dazu, vorwiegend Du-Botschaften zu formulieren. Das Ungute daran ist, dass in Du-Sätzen oft Vorwürfe und Herabsetzungen zum Ausdruck kommen, die den Gesprächspartner sehr verletzen können. 
Ich-Botschaften dagegen bringen Gefühle und Wünsche zum Ausdruck und sind insofern wesentlich effektiver. Vergleiche selbst, welche Formulierung wohl besser ankommt: „Du alter Faulpelz, tu endlich was!“ oder „Ich brauche dringend deine Hilfe!“.

8. Über das eigene Gesprächsverhalten reden

Auseinandersetzungen kommen natürlich in den besten Familien vor. Selbst bei bester Absicht passiert es hin und wieder, dass ein Gespräch außer Kontrolle gerät. 
Tritt ein solches Ereignis ein, brich das Gespräch fürs Erste besser ab und warte, bis sich die Erregung auf beiden Seiten gelegt hat. Danach nimm das Gespräch wieder auf. 
Doch schneide nicht gleich wieder das strittige Thema an, sondern sprich darüber, wie ihr  vorher im Streit miteinander umgegangen seid. Leg dabei deine Gefühle und Motive offen:
Warum habe ich mich so verhalten? Was wollte ich damit bezwecken? In welcher Verfassung war ich? 
Das schafft Verständnis füreinander und hilft, den Konflikt auf vernünftige Weise zu lösen.

9. Äußerungen nicht einseitig interpretieren

In Gesprächen (vor allem zwischen Erwachsenen) passiert es nicht selten, dass eine Bemerkung ganz anders aufgefasst wird, als sie eigentlich gemeint war. 
Wie die Kommunikationspsychologie herausgefunden hat, liegt das daran, dass sich im Grunde jede beliebige Äußerung auf verschiedene Weisen deuten lässt. Wenn dein Partner beispielsweise zu dir sagt: „Unser Kind war heute richtig unverschämt zu mir!“, so bezieht sich diese Äußerung zunächst natürlich auf die Tatsache, dass sich das Kind schlecht benommen hat. 
Die Bemerkung lässt jedoch noch weitere Interpretationen zu, etwa diese: „Du kümmerst dich zu wenig darum, dem Kind ein ordentliches Benehmen beizubringen.“ Oder diese: „Ich bin heute nicht in der Verfassung, die Ungezogenheit unseres Kindes zu ertragen.“ Oder diese: „Du solltest das Kind für sein schlechtes Benehmen zurechtweisen!“ 
So entstehen leicht Missverständnisse, wenn man sich nicht auf derselben Bedeutungsebene begegnet. Um unnötigen Ärger zu vermeiden, interpretiere die Äußerungen deines Gesprächspartners daher nicht einseitig, indem du sie beispielsweise nur als Vorwurf auffasst, sondern denke daran, dass es noch andere Deutungsmöglichkeiten gibt.

10. Regelmäßige Gespräche in der Familienrunde führen

Kinder sollten von klein auf die Erfahrung machen, dass sie als Gesprächspartner ernst genommen werden. In diesem Sinne hat der Psychologe Rudolf Dreikurs vor Jahrzehnten das Konzept des Familienrats entwickelt: 
Zu einem festgelegten Zeitpunkt der Woche kommt die ganze Familie zusammen und berät über Themen, die alle Familienmitglieder betreffen, etwa über eine bevorstehende Urlaubsreise oder die Aufgabenverteilung im Haushalt. 
Ein wichtiges Merkmal des Familienrats ist, dass alle Teilnehmer gleichberechtigt sind. Entscheidungen sind nur dann gültig, wenn sie einstimmig getroffen wurden. Der Familienrat ist damit ein wertvolles Instrument, mit dem schon Kinder lernen können, Verantwortung zu übernehmen und im Gespräch an einer einvernehmlichen Lösung mitzuarbeiten.


Das Buch zum Thema

Rita Steininger: Eltern lösen Konflikte
So gelingt Kommunikation in und außerhalb der Familie
Klett-Cotta, 2006

Mehr von Rita Steininger: www.familienhandbuch.de






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